Ordnung und Chaos in der
Eltern-Kind-Beziehung
In der systemischen Ursprungsordnung stehen die Eltern gleichwertig auf einer Ebene. Der Blick richtet sich sowohl auf den Partner/die Partnerin als auch auf das vor den Eltern stehende Kind.
Durch das natürliche „Machtgefälle“ profitieren sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder.
Kinder brauchen, um sich entwickeln und reifen zu können, die schützende und beschützende Sicherheit von Eltern hinter sich. Für die Eltern ist es gleichzeitig eine schöne Erfahrung, mitzuerleben, wie sich die kleinen Wesen durch diese sichere Geborgenheit entfalten können.
Wird in der Beziehung zum Kind diese Grundordnung eingehalten und wird eine „unsichtbare Trennlinie“ zwischen sich und dem Kind gewährleistet, ist dies ein wesentlicher Garant dafür, dass Erziehung gelingen kann.
Chaos im Ordnungssystem hingegen entsteht unweigerlich dann, wenn sich die Trennungslinien verwischen. Daraus resultiert Unsicherheit für das Kind/den Jugendlichen. Zum Beispiel dann, wenn...
...das „Kind als gleichwertiger Partner“ angesehen wird:
Bei dieser Konstellation wird vergessen, dass das Kind mit Anspruch „Partner zu sein“ völlig überfordert ist. Der partnerschaftliche Umgang mit dem Kind lässt dieses oft zur „besten Freundin, zum besten Freund“ werden. Dadurch verliert es die Sicherheit der stärkenden Elternliebe hinter sich und bekommt auch nicht die Lernmöglichkeit angeboten, sich über Grenzen und elterliche Bestimmtheit sozial einordnen zu können.
...das Kind „auf die Elternebene“ rutscht:
Hierbei tun die Eltern alles, um vom Kind geliebt zu werden. Das natürliche Bedürfnis des Menschen nach Anerkennung, Zuwendung und Wertschätzung holen sich die Eltern bei dieser Konstellation von den Kindern und nicht vom Partner, von Freunden oder von den eigenen Eltern. Das Kind kann durch dieses „Geliebt-werden-wollen“ der Eltern kein Gefühl für das eigene Wollen und für natürliche Grenzen ausbilden. Dadurch kommt es auf Dauer zur fatalen „Machtumkehr“ - die Eltern sind mehr von der Zuwendung des Kindes abhängig als umgekehrt.
...das Kind „zur Symbiose“ wird:
Wird das Kind als Teil des eigenen Selbst angesehen und nicht mehr als eigenständiges Wesen, spricht man von einer symbiotischen Eltern-Kind-Beziehung. Das „Wir“ wird zum geflügelten Verbindungswort: „Wir haben Bauchweh“, „wir haben die Hausaufgabe gemacht“, „wir haben eine Eins bekommen“ und ähnliche Sätze sind dabei nicht selten. Diese symbiotische Liebesbeziehung wird vom Kind zunächst als Zuwendung empfunden. Sehr schnell lernt es jedoch, dass sein Kooperations- aber auch sein Verweigerungsverhalten zu noch mehr Zuwendung führt. Dadurch lernt das Kind den Erwachsenen als ein manipulierbares Wesen kennen - es erlebt dessen Welt als ohnmächtig und sich als sehr mächtig.